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Ersfeld
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Das 1411 erstmals urkundlich erwĂ€hnte Dorf Ersfeld ist mit 77 Einwohnern (Stand 30. Juni 2025)cite-ref-2[2] eine der kleinsten Ortsgemeinden des Landkreises Altenkirchen (Westerwald) im nördlichsten Teil von Rheinland-Pfalz. Es gehört der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld an und liegt in unmittelbarer NĂ€he der Historischen Raiffeisenstraße am nördlichen Rand des Naturparks Rhein-Westerwald.

Ersfeld hat eine FlĂ€che von etwa 1,4 Quadratkilometern und die Siedlungsform eines Reihendorfes. Einige alte Fachwerkbauten, der Peschbach, der mitten durch den Ort fließt, alte Eichen- und BuchenbestĂ€nde, Wiesen und Waldgebiete und die etwas abseitige Lage neben einer kleinen Kreisstraße prĂ€gen den heutigen lĂ€ndlichen Charakter der Gemarkung.

In frĂŒheren Zeiten war Ersfeld abgelegen und besaß nur unzureichende Anbindung an grĂ¶ĂŸere Ansiedlungen. Wie in vielen anderen Westerwalddörfern fristeten die Bewohner mit harter Waldarbeit, Vieh- und Landwirtschaft ein karges und entbehrungsreiches Dasein. DarĂŒber hinaus wurde der Ort ĂŒber die Jahrhunderte in vielen Kriegen immer wieder von durchziehenden und Quartier nehmenden Soldaten geplĂŒndert und beraubt, dies von Freund und Feind gleichermaßen.

Trotzdem hat Ersfeld den Versuchen von Eingemeindungen und GemeindezusammenschlĂŒssen widerstanden und sich eine relative UnabhĂ€ngigkeit bewahrt. Die Finanzquellen des Gemeindehaushalts bestehen aus Gemeindesteuereinnahmen und der Jagdpacht. Die meisten Ersfelder lebten teils bis in die 1980er Jahre noch im Wesentlichen von landwirtschaftlichen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben. Mittlerweile ist der Ort bis auf einige Gewerbetreibende eine reine Wohngemeinde. Der Großteil der BerufstĂ€tigen arbeitet in den umliegenden grĂ¶ĂŸeren Ortschaften, einige Pendler fahren auch bis in die Ballungszentren des Rhein-Main- oder Rhein-Ruhr-Gebiets.

Contents

‱ Etymologie
‱ Geographie
‱ Geologie
‱ Geschichte
‱ Wahlen
‱ Gemeinderat
‱ Haushalt
‱ Wappen
‱ Schulwesen
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Etymologie

Der Ortsname Ersfeld ist in Deutschland einmalig und lautet im lokalen Dialekt Erscheld. DarĂŒber hinaus kommt Ersfeld öfter als Flur- und Familienname vor.cite-ref-3[3] Die Herkunft der Ortsbezeichnung ist bis heute nicht eindeutig geklĂ€rt.

Über die Jahre hinweg sind verschiedene, lediglich mĂŒndlich ĂŒberlieferte Versuche unternommen worden, die Namensherkunft zu deuten. Eine Möglichkeit wird dabei in der Ableitung von der QualitĂ€t der landwirtschaftlichen Böden und FlĂ€chen mit der Bedeutung „erstes Feld“ gesehen. Eine andere Interpretation des Namens favorisiert die Bezeichnung Erzfeld. Obgleich im Ort keine nennenswerten Erzvorkommen zu verzeichnen waren, nimmt diese Auslegung Bezug auf einen Stollen am Rande des Ortes, fĂŒr dessen einstige Funktion und Verwendung man bisher keine rechte ErklĂ€rung finden konnte. Der Stollen wurde jedoch unter anderem zur Lagerung von Lehm genutztcite-ref-4[4], was die Herkunft des Ortsnamens von Erzfeld nicht stĂŒtzt.

Andere Betrachtungen sehen eher einen Zusammenhang mit einer topografischen ErklĂ€rung.cite-ref-5[5] Danach beziehen sich die aus dem Altdeutschen stammenden Vorsilben Ers beziehungsweise Ars auf die Lage oder die Form des Bodens, sodass Ersfeld als ein am Ende oder „hinten“ gelegener Teil eines GelĂ€ndeabschnitts verstanden werden könnte.cite-ref-6[6] Ers und Ars bedeuten im althochdeutschen Sprachgebrauch nichts anderes als „Arsch“cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] und finden sich in vielen Orts- und Flurbezeichnungen.

Geographie

Geographische Lage

Ersfeld liegt im Niederwesterwald (auch: Unterwesterwald oder Vorderwesterwald), am nordöstlichen Rand der Asbacher HochflĂ€checite-ref-9[9] vor dem Übergang zur Altenkirchener HochflĂ€checite-ref-10[10], zwölf Kilometer westlich von Altenkirchen und einen Kilometer nördlich von Mehren. Es ist etwas abseits der Kreisstraße 24 am Ende eines kleinen, etwa 800 Meter breiten und 1,5 Kilometer langen Tals gelegen, das sich nach Nordwesten hin bis in den nĂ€chsten Ort Rettersen fortsetzt. Weitere Nachbarorte sind Fiersbach im Westen, Forstmehren im Nordosten und Kraam im Osten. Die mittlere Höhenlage betrĂ€gt 250 Meter ĂŒber Normalnull. Die Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen im Norden ist etwa 4 Kilometer entfernt.

Geologie

Geologisch betrachtet gehört Ersfeld als Teil des vorderen Westerwalds zum Rheinischen Schiefergebirge, einem stark erodierten Rest des großen variszischen Gebirgssystems des Erdmittelalters. Das devonische Grundgebirge wird von vulkanischen Massen aus dem TertiĂ€r ĂŒberlagert, insbesondere von Basalten und Tuffen.

Das Deutsche Institut fĂŒr Bautechnik (DIBt) ordnet Ersfeld der Erdbebenzone (EZON) „0“ und der geologischen Untergrundklasse (GUK) „R“ (felsartiger Gesteinsuntergrund) zu.cite-ref-11[11] Jedoch findet sich in vielen Teilen der Gemarkung auch stark lehmhaltiger Boden. Bedingt durch unterirdische Wasserströme, die vom Waldrand oberhalb Ersfelds ins Tal fließen und die OberflĂ€che unterspĂŒlen, entstehen auf den Feldern und WeideflĂ€chen immer wieder mehr oder weniger große und tiefe Erdlöcher. Diese stellen unter anderem eine Gefahr fĂŒr die Landmaschinen und Traktoren dar und werden deshalb mit Bauschutt und anderem Material wieder zugeschĂŒttet.

Klima und Vegetation

Der Westerwald gilt klimatisch gesehen allgemein als raue Gegend mit vergleichsweise geringerer Sonnenscheindauer und verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig viel Niederschlag.cite-ref-12[12] Jedoch ist das Klima in Ersfeld im Vergleich zu dem höher gelegenen Oberwesterwald und Hohen Westerwald in der Regel gemĂ€ĂŸigter. Ersfeld verfĂŒgt ĂŒber keine eigene Station zur Ermittlung von Wetterdaten. Messungen der nĂ€chstgelegenen Station in Hilgenroth ergeben eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8,5 °C mit durchschnittlichen Höchstwerten von 16,7 °C im Juli und Tiefstwerten von 0,3 °C im Januar. Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge liegt bei 996,3 Millimetern. Dabei ist der April mit durchschnittlich 70,4 Millimetern der trockenste Monat, wĂ€hrend der Dezember mit 105,4 Millimetern die grĂ¶ĂŸten Niederschlagsmengen aufweist.cite-ref-13[13]

Das hĂŒgelige Orts- und Landschaftsbild von Ersfeld ist geprĂ€gt von Wiesen, landwirtschaftlichen NutzflĂ€chen und Mischwald. Am hĂ€ufigsten sind Fichten, seltener Tannen, Buchen, Hainbuchen, Eichen, Ahorne, Linden, Erlen und Eschen zu finden, vereinzelt Kastanien und Pappeln. Als Strauch- und GebĂŒschformen sind Weißdorne, Haselnuss, Holunder, Hagebutte und BirkengewĂ€chse am weitesten verbreitet.

Geschichte

Zwar feierte der Ort am 1. Mai 2011 sein offizielles 600-jĂ€hriges Bestehen,cite-ref-fs-14-0[14]cite-ref-15[15] vermutlich ist Ersfeld jedoch bereits zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstanden.cite-ref-16[16]cite-ref-17[17] Man nimmt an, dass der Raum um Mehren, zu dem auch Ersfeld gehört, bereits zu frĂ€nkischer Zeit besiedelt war und wĂ€hrend der karolingischen Gauverwaltung eine Großgrundherrschaft gebildet hat.

Vom Erzbistum Köln zur Grafschaft Sayn, Reformation

Die als Arsfeld bislang Ă€lteste schriftliche ErwĂ€hnung im Revers einer Lehensurkunde vom 1. August 1411 belegt den unumkehrbaren Übergang Ersfelds und anderer Orte vom Erzbistum Köln an die Grafschaft Sayn. Mit der Urkunde von 1411 verpfĂ€ndete Friedrich III. von Saarwerden, der damalige Erzbischof von Köln, dem Grafen Gerhard I. von Sayn fĂŒr 700 Rheinische Gulden Land und Leute der Region.cite-ref-18[18] Landesherrlich gehörte Ersfeld bis 1652 zur Grafschaft Sayn, danach zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen. Weitere schriftliche beziehungsweise urkundliche ErwĂ€hnung fand der Ort in den Jahren 1579, 1580, 1589, 1596 und 1610.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] Vor dem DreißigjĂ€hrigen Krieg sollen 16 Feuerstellen, sogenannte RĂ€uche, bestanden haben, was mit WohnhĂ€usern gleichzusetzen ist.cite-ref-22[22] So ist auch aus damaligen Steuerlisten zu entnehmen, dass in Ersfeld im Jahr 1580 sechzehn steuerpflichtige Familien wohnten.cite-ref-23[23]cite-ref-24[24]

1561 wurde in der Grafschaft Sayn die Reformation eingefĂŒhrtcite-ref-25[25], und die Einwohner Ersfelds wechselten zum evangelischen Bekenntnis ĂŒber.cite-ref-26[26] Ersfeld besaß nie eine eigene Kirche und war Teil der Pfarrei Mehren. Damit gehörte es bis 1802 zum Kirchspielgericht Mehren im saynischen Amt Altenkirchen. Die Pfarrei Mehren war bis zur Reformation dem Landkapitel Auelgau des Archidiakonates Bonn im Erzbistum Köln zugeordnet.

DreißigjĂ€hriger Krieg, Auflösung der Landesherrschaft, Preußen

Es sind keine detaillierteren Aufzeichnungen ĂŒber die Ereignisse des DreißigjĂ€hrigen Krieges in der Region bekannt. Man weiß allerdings aus alten Quartierlisten um die großen Belastungen, denen das Kirchspiel Mehren und seine Ortschaften ausgesetzt waren.cite-ref-27[27] Zur Deckung der Einquartierungskosten der Soldaten mussten Summen aufgebracht werden, die ohne die Aufnahme von Krediten und Steuererhöhungen nicht zu bewĂ€ltigen waren. FĂŒr Ersfeld bedeutete dies im Jahr 1625 anlĂ€sslich des achttĂ€gigen Besuchs eines Rittmeisters König mit seiner Kompanie die Unterbringung von 64 Pferden, 67 Personen (mehr als die eigene Einwohnerzahl) und den Verlust von 84 Reichsthalern, die die Einquartierten bei ihren Gastgebern geraubt hatten. Auch 400 Liter Wein musste das Dorf aufbringen. Insgesamt plĂŒnderten und verwĂŒsteten den Ort sowohl befreundete als auch feindliche durchziehende Truppen gleichermaßen, raubten Geld und Lebensmittel und machten auch vor Mord und Brandschatzung nicht Halt.cite-ref-fs-14-1[14]

Aus dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) wird berichtet, dass französische Offiziere in den Ortschaften des Kirchspiels Mehren wie gemeine Soldaten „ohne Unterscheidt von allen vier Colonnen Vieh geraubt, Jagd, Feldfrucht und Fischerei ruiniert“ hĂ€tten. Bei ihrem Abzug mussten ihnen die Bauern 13 Pferde und 31 Paar Ochsen als zusĂ€tzliche Zugtiere ĂŒberlassen.cite-ref-28[28]

WĂ€hrend der Koalitionskriegecite-ref-29[29] wurde im Jahr 1795 der Schaden aus PlĂŒnderungen durch sich zurĂŒckziehende Franzosen bei den Ersfelder Einwohnern auf insgesamt 597 Gulden beziffert. Weitere Aufzeichnungen belegen fĂŒr das Jahr darauf den Diebstahl von 35 Garben Korn, 2637 Garben Hafer und 900 Zentner Heu.cite-ref-30[30]cite-ref-31[31] FĂŒr die Bevölkerung blieb kaum etwas ĂŒbrig, und es herrschte bittere Not, zumal stĂ€ndig weitere Truppen kamen. Die Forderung Napoleons an seine VerbĂŒndeten, ihm Soldaten bereitzustellen, fĂŒhrte 1806 dazu, dass auch der Ersfelder Haubrich Eckenbach fĂŒr Napoleon kĂ€mpfen musste.cite-ref-32[32]

Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses kam Sayn-Altenkirchen und damit der Ort Ersfeld 1803 zur Grafschaft Nassau-Usingen.cite-ref-33[33] Nach deren Beitritt zum Rheinbund gehörte Ersfeld von 1806 bis 1815 zum Herzogtum Nassau.

Nach dem Wiener Kongress kam das Gebiet der Grafschaft Sayn-Altenkirchen 1815 zu Preußen. Mit dessen Verwaltungsreform wurden seine Provinzen in Regierungsbezirke und Kreise gegliedert. So entstand 1816 der Kreis Altenkirchen im Regierungsbezirk Coblenz. Man hob die Kirchspielverfassung auf, und es wurden BĂŒrgermeistereien gebildet. Ersfeld wurde zunĂ€chst der BĂŒrgermeisterei Weyerbusch und 1816 dem neu gebildeten Kreis Altenkirchen zugeordnet. Dem Kreis gehörten noch die BĂŒrgermeistereien Altenkirchen, Daaden, Flammersfeld, Friesenhagen, Gebhardshain, Hamm, Kirchen und Wissen an.cite-ref-34[34]

Das Oktoberedikt von 1807, ein Bestandteil der preußischen Agrarreform, beendete die Leibeigenschaft der Bauern und schaffte damit zumindest die rechtlichen Grundlagen fĂŒr Erwerb und EigentĂŒmerschaft von zuvor meist selbst bewirtschafteten Höfen nebst Grund und Boden (Bauernbefreiung).

Waldwirtschaft

Zu Zeiten von Grund- und Lehensherrschaft teilten die jeweiligen FĂŒrsten den Wald auf und wiesen ihn den Bewohnern ĂŒber eine spezielle Form der EigentĂŒmergemeinschaft, einer sogenannten Waldinteressentenschaft, entsprechend der Anzahl der RĂ€uche zu. Die AnteilsverhĂ€ltnisse konnten sich spĂ€ter durch Erbschaft oder Heirat Ă€ndern. Die ökonomische Verwertung der WaldbestĂ€nde fĂŒhrte deshalb zwischen den benachbarten Ortschaften des Öfteren zu Auseinandersetzungen, die von höherer Stelle geregelt werden mussten. Hierzu sind verschiedene VorgĂ€nge aktenkundig. Das Archivale Sachakte 4810 des Landeshauptarchivs Koblenz (LHAKo) behandelt zum Beispiel fĂŒr die Laufzeit von 1736 bis 1753 „Der von den Retterser Waldbeerbten (den Gemeinden Kraam, Rettersen, Forstmehren und Ersfeld, alle im Kirchspiel Mehren) uf den Flogert begangene Einfall und Verletzung des Hachenburgischen Gebietes“. Eine weitere Sachakte 1854 aus dem Jahr 1780 verweist auf den „Prozess der Gemeinden Rettesern, Kraam und Ersfeld mit den Interessenten der Kraamer ErbzinsmĂŒhlecite-ref-35[35] wegen Brandholzabgabe“. Und eine Sachakte 2062 der Kommunalaufsicht Koblenz aus dem Jahr 1818 behandelt „Waldstreitigkeiten zwischen den Gemeinden Fiersbach und Ersfeld“.cite-ref-lha-36-0[36]

Zur Aufsicht ĂŒber die Waldungen setzten die GemeinderĂ€te regelmĂ€ĂŸig WaldwĂ€rter ein, die ĂŒber Holzhauungen und sonstige Verwertungen wachten.cite-ref-pb-37-0[37]

Das Protokollbuch – Hauptquelle fĂŒr das Gemeinwesen ab 1845

Die Gemeinde Ersfeld besitzt ein aus dem Jahr 1845 stammendes Protokollbuch mit den Niederschriften und BeschlĂŒssen der Ratssitzungen bis zum 21. September 1966, ein bedeutendes Dokument der Dorf- bzw. Gemeindepolitik und -entwicklung. Anfang 1990 wurde das Buch unter der Bedingung, dass es im Besitz der Ortsgemeinde verbleibt, aus Privatmitteln restauriertcite-ref-38[38] und im Jahr 2011 anlĂ€sslich der 600-Jahr-Feier des Ortes von der deutschen Kurrentschrift in das heutige Schriftbild ĂŒbertragen.

Der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der mit 26 Jahren BĂŒrgermeister von Weyerbusch wurde und die Verelendung der Westerwaldbauern beschrieb, hatte das Protokollbuch auf der Grundlage des § 66 der Gemeindeordnung am 23. Januar 1845 angelegt und war bis zur zweiten Sitzung am 19. MĂ€rz 1847 auch ProtokollfĂŒhrer.cite-ref-pb-37-1[37]

Der erste protokollarische Eintrag stammt vom 14. Dezember 1846 und dokumentiert die Besoldung des Ortsvorstehers (Remuneration) in Höhe von sechs Talern jĂ€hrlich. Nicht selten ging das Amt des OrtsbĂŒrgermeisters, vom Ratsbeschluss getragen, von einer Familiengeneration auf die nĂ€chste ĂŒber. Genannt wurden unter anderem die Familien Klein und Bierbrauer.

Weitere Aufzeichnungen der Ratssitzungen behandeln Satzungen ĂŒber den Feldwegebau und die damit verbundenen Frondienste der BĂŒrger nach § 23 der GrundstĂŒcksordnung, Personal- und SteuerbeschlĂŒsse sowie Haushaltsdebatten. Frondienste waren Leistungen gegenĂŒber der Gemeinde, die mit SteuernachlĂ€ssen verbunden waren. Dienstboten, Gesellen und Lehrlinge waren davon befreit.

Die Hungersnot von 1846, Raiffeisen

Ungewöhnliche Trockenheit in der ersten HĂ€lfte des Jahres 1846 bedrohte die Ernte, Hagelschlag und KartoffelfĂ€ule vernichteten große Teile der Feld- und GartenfrĂŒchte und fĂŒhrten zu einer Hungersnot. Ohne geeignete Verkehrswege war es nicht möglich, auf Einfuhren zurĂŒckzugreifen, so dass die Preise steil anstiegen. Die Bauern sahen sich gezwungen, selbst ihr Saatgut zu verzehren. Friedrich Wilhelm Raiffeisen grĂŒndete den Weyerbuscher Brodverein, er verteilte kostenlos Mehl. 1847 gab der Verein Saatgut gegen Schuldscheine aus, die mit dem Ertrag der neuen Ernte beglichen werden konnten. Raiffeisen empfahl den Bau der Rheinstraße von Weyerbusch nach Neuwied-Heddesdorf (heute B 256), die seit 1984 auch die Bezeichnung Historische Raiffeisenstraße trĂ€gt. Damit wurde kurzfristig Arbeit beschafft; langfristig wurden die entlegenen Walddörfer an die Wirtschaftsentwicklung der Region Neuwied angeschlossen. Gemeinden wie Ersfeld oder Kraam nutzten zudem den Wald, um Steine fĂŒr den Wegebau und Brot fĂŒr die Armen in Weyerbusch zu beschaffen, ebenso wie in Maulsbach oder Neitersen.cite-ref-39[39]

Raiffeisen gelangen weitere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Nachdem die HilfsbedĂŒrftigkeit armer Bevölkerungsteile festgestellt worden war, beschloss der Ersfelder Gemeinderat am 31. MĂ€rz 1847, auf dem Weg von Forstmehren nach Mehren einen Graben anzulegen, der den Einwohnern eine von der Gemeinde mit acht Talern bezuschusste Verdienstmöglichkeit bot.cite-ref-pb-37-2[37]

Im April 1847 erhielt die Gemeinde Ersfeld zinsfrei gegen eine BĂŒrgschaft des Gemeinderats einen anteiligen Betrag von 10 Talern von dem Überschuss eines „Blei-Erlöses“ aus Reparaturarbeiten des Mehrener Kirchturms in Höhe von 18 Talern geliehen, um den Anbau von Kartoffeln fĂŒr die Armen zu ermöglichen.cite-ref-pb-37-3[37]

Um die Arbeits- und Produktionsbedingungen der Höfe zu verbessern, wurde 1896 das erste Flurbereinigungsverfahren in Ersfeld durchgefĂŒhrtcite-ref-lha-36-1[36]. Die zu diesem Zweck im Maßstab 1:1000 erstellten Reinkarten mit den Flurnummern und -bezeichnungen befinden sich im Besitz der Gemeinde. Darin ist auch noch der sogenannte Materialplatz am nördlichen Ortsrand, im Volksmund Leimpöhl genannt, ausgewiesen. Auf ihm lagerten die Baustoffe des Ortes, wie zum Beispiel Lehm, zum Bau und zur Instandsetzung der HĂ€user.

Am 28. Dezember 1911 tagte der Gemeinderat auf Einladung der Kirche erstmals im Nachbarort Mehren.

Erster Weltkrieg

Aufzeichnungen ĂŒber die Tage des Ersten Weltkrieges in Ersfeld liegen nicht vor. Aus den Protokollen der in der Regel zweimal jĂ€hrlich anberaumten Gemeinderatssitzungen geht hervor, dass fast ausschließlich ĂŒber den Gemeindehaushalt beraten wurde, ĂŒber die Kriegsgeschehnisse ist aus dieser Quelle nichts zu erfahren. Eine Ausnahme bildet eine Eintragung vom 16. Oktober 1916, in der dem Gemeindevorsteher eine Verdoppelung seiner VergĂŒtung wĂ€hrend der Kriegsdauer zugebilligt wurde.cite-ref-pb-37-4[37]

Es wird berichtet, dass auch MĂ€nner aus Ersfeld als Soldaten in die Schlacht zogen. Nachdem die anfĂ€ngliche allgemeine Kriegsbegeisterung 1914 mit der RĂŒckkehr der ersten Verwundetentransporte von der tragischen RealitĂ€t eingeholt wurde, fand man sich schnell umgeben von Not, Hunger, Entbehrung und Repressalien wieder. Gerade die Landwirte gerieten zunehmend unter Druck, genĂŒgend Lebensmittel fĂŒr die Versorgung nicht nur der eigenen Bevölkerung, sondern auch der Zwangsarbeit leistenden Kriegsgefangenen produzieren zu mĂŒssen. Mehrmals veröffentlichte das Altenkirchener Kreisblatt Aufrufe wie diesen: „Das Feldheer braucht dringend Hafer, Heu und Stroh. Landwirte, helft dem Heere!“cite-ref-40[40] Mit Strafandrohungen und moralischer Erpressung wurden „Verschwender“ mit folgenden Annoncen bedacht: „Wer ĂŒber das gesetzlich zulĂ€ĂŸige Maß hinaus Hafer, Mengkorn, Mischfrucht, worin sich Hafer befindet, oder Gerste verfĂŒttert, versĂŒndigt sich am Vaterlande.“cite-ref-41[41] Schließlich brachte der Kriegswinter 1917/1918 große Not mit eisiger KĂ€lte und der Knappheit an Kartoffeln und anderen Nahrungsmitteln. Der Schwarzmarkt blĂŒhte, das „Hamstern“ griff um sich und fĂŒhrte zu ĂŒberaus hohen Wucherpreisen. Im Vergleich zur stĂ€dtischen Bevölkerung war es den Ersfelder Bauern als Selbstversorger jedoch möglich, auf eigene Reserven zurĂŒckzugreifen.

Es ist nicht ĂŒberliefert, ob nach Kriegsende deutsche RĂŒckzugstruppen im Zuge der Demobilisierung durch oder an Ersfeld vorbei gezogen sind, wie es in vielen anderen Ortschaften der Fall war. Die Anzahl an Kriegsgefangenen aus Ersfeld ist ebenfalls nicht bekannt. Jedoch ergibt sich aus dem Protokoll einer Gemeinderatssitzung vom 14. August 1934, in der die Höhe der Zuwendung an den Volksbund deutscher KriegsgrĂ€berfĂŒrsorge e. V. in AbhĂ€ngigkeit von der Anzahl eigener Gefallener festgelegt wurde, dass es derer drei aus der Gemeinde gegeben haben muss.

Wirtschaftskrise und WĂ€hrungsreform, Nationalsozialismus

Die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war geprĂ€gt von stĂ€ndigen Teuerungszulagen, Lohnsteigerungen und enormen Geldentwertungen, denen auch Ersfeld Rechnung tragen musste, um die laufenden Gemeindeausgaben und notwendigen Investitionen, beispielsweise fĂŒr den infrastrukturellen Ausbau der Energieversorgung und Zuleitungen fĂŒr die Haushalte, noch einigermaßen decken zu können. Das Ergebnis waren immer wiederkehrende Erhöhungen der Gemeindesteuerlasten und Nachtragshaushalte. Beschloss der Gemeinderat am 23. September 1918, zur Deckung der GemeindebedĂŒrfnisse fĂŒr das Haushaltsjahr 1919 eine Last von 270 % auf alle Steuern zu erheben (die bereits am 13. Januar 1920 um weiter 150 % aufgestockt wurden), so waren dies 1921 bereits 1200 % der Real- und Betriebssteuern. Mit Gemeinderatsbeschluss vom 29. Juni 1921 wurde auf der Grundlage des Kommunalabgabengesetzes auch eine Beherbergungssteuer eingefĂŒhrt, die jedoch nur fĂŒr temporĂ€re Entlastung sorgte. Bereits fĂŒr das Jahr 1923 wurden die Grund- und GebĂ€udesteuern auf 9000 % und die Gewerbe- und Betriebssteuern auf 6000 % erneut erhöht. In der Gemeinderatssitzung vom 25. September 1923 wurde jedoch festgestellt, dass auf Grund der weiter zunehmenden Verteuerung und Inflation auch diese Umlagen zur Deckung der Ausgaben bei Weitem nicht ausreichend waren. Die Konsequenz war eine weitere Erhöhung der Grund- und GebĂ€udesteuer um das Zwanzigfache.cite-ref-pb-37-5[37]

Mit dem MĂŒnzgesetz in der letzten Neufassung vom 30. August 1924 wurde die Reichsmark offizielles Zahlungsmittel in Deutschland. In einer Dringlichkeitssitzung des Ersfelder Gemeinderates vom 30. Oktober 1924 wurde der Grundvermögenssteuersatz auf 150 % und der Gewerbe- und Betriebssteuersatz auf 200 % festgelegt. Bis zum Juli 1929 waren beide jedoch wieder auf 400 % angestiegen. Trotz der neuen WĂ€hrung wurde im Protokollbuch bis zum 16. Oktober 1933 das WĂ€hrungskĂŒrzel M fĂŒr Mark und nicht RM fĂŒr Reichsmark verwendet.cite-ref-pb-37-6[37]

Ersfelds eigenstĂ€ndige Versorgung mit ElektrizitĂ€t begann erst im Jahre 1924. Bis dahin wurde der Ort, wie auch Rettersen und Fiersbach, aus dem Schulhaus Fiersbach mit Strom versorgt. Die infrastrukturellen Rahmenbedingungen wurden in einer Gemeinderatssitzung vom 30. Oktober 1924 erstmals grob formuliert. Dazu zĂ€hlten auch die HausanschlĂŒsse der Ersfelder BĂŒrger. Im FrĂŒhjahr 1925 wurde der Gemeindevorsteher als VerhandlungsfĂŒhrer durch einen „Lichtausschuß“ abgelöst. Nachdem ein beauftragtes Unternehmen in Konkurs gegangen war, wurde ein Elektrotechniker aus Oberirsen mit der Fertigstellung beauftragt.cite-ref-pb-37-7[37]

In der Sitzung vom 17. Juli 1929 wurde bei Einnahmen von 2698 und Ausgaben von 2917 Reichsmark fÀlschlicherweise ein Haushaltsdefizit von 209 Reichsmark protokolliert, obwohl die Differenz 219 Reichsmark betrug.cite-ref-pb-37-8[37]

Der Gemeinderat Ersfelds lehnte mit Beschluss vom 22. Mai 1930 eine Zusammenlegung mit den Gemeinden Mehren, Kraam (Craam), Ziegenhain, Ziegenhahn, Giershausen und Walterschen unter anderem mit der BegrĂŒndung ab, den „großen Apparat mit seinen Beamtenvermehrungen vermeiden“ zu wollen. DarĂŒber hinaus sah man keinerlei Vorteile und hĂ€tte in den letzten Jahrzehnten gelernt, auch mit niedrigen prozentualen Umlagen akzeptabel wirtschaften zu können.cite-ref-pb-37-9[37]

Zu nationalsozialistischen AktivitĂ€ten oder intensiveren Beziehungen in Ersfeld ist nichts bekannt, und auch im Protokollbuch des Ortes sind nur zwei EintrĂ€ge vermerkt. Aus dem Sitzungsprotokoll vom 23. September 1935 wird deutlich, dass Entscheidungen ĂŒber das BĂŒrgermeisteramt und die Anzahl der Beigeordneten und GemeinderĂ€te einer Zustimmung des Beauftragten der NSDAP bedurften. Weiter wurde in der Sitzung vom 7. April 1938 seitens des Gemeinderats eine DankeserklĂ€rung an Reichskanzler Adolf Hitler gerichtet. Sie war verbunden mit der deutlichen Aufforderung an alle wahlberechtigten BĂŒrger, dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, der bereits am 13. MĂ€rz 1938 mit dem Einmarsch deutscher Wehrmachts- und SS-VerbĂ€nde erfolgt war, innerhalb einer nachtrĂ€glichen Volksabstimmung am 10. April 1938 mit Ja zuzustimmen.

Zweiter Weltkrieg

WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurden immer weniger Gemeinderatsitzungen abgehalten. 1939 beschloss man die EinfĂŒhrung einer land- und forstwirtschaftlichen Grundsteuer mit einem Hebesatz von 115 Prozent. Die ĂŒbrige Grundsteuer wurde auf 200 Prozent festgesetzt, ebenso eine Gewerbesteuer, obwohl in Ersfeld damals keine gewerblichen Betriebe angesiedelt waren. 1940 fasste der Rat den Beschluss, die VergĂŒtung des Ortsvorstehers wĂ€hrend der Kriegsereignisse um 25 Prozent zu erhöhen. AuffĂ€llig ist das Protokoll einer Sitzung, in der „die vom BĂŒrgermeister vorgetragene Haushaltssatzung fĂŒr das Rechnungsjahr 1944 eingehend beraten wurde“. Weder wurden die Namen der Sitzungsteilnehmer genannt, noch Unterschriften zum Protokoll geleistet.cite-ref-pb-37-10[37]

Die Kriegswirren gingen auch an Ersfeld nicht spurlos vorbei. Aus beinahe jeder Familie wurden mĂ€nnliche Mitglieder fĂŒr den Dienst an der Waffe rekrutiert, sodass frĂŒher oder spĂ€ter die Feld- und Waldarbeit nicht mehr ausreichend erledigt werden konnte. Um diesem Missstand Abhilfe zu schaffen, bekam jede Familie, deren mĂ€nnliche Angehörige Kriegsdienst leisteten, durch das Gauarbeitsamt Moselland in Koblenz und die Arbeitsamtsnebenstelle Neuwied einen oder mehrere Kriegsgefangene, meist Franzosen, spĂ€ter auch Polen, als Zwangsarbeiter zugewiesen.cite-ref-42[42] Sie waren in einem großen Saal des Nachbarortes Fiersbach untergebracht und mussten von den Einwohnern Ersfelds morgens abgeholt und abends wieder zurĂŒckgebracht werden. Bei Bombenangriffen fand die Bevölkerung Schutz in den wenigen Kellern einiger Höfe. Zwei Ersfelder Soldaten fielen fern der Heimat bei Gefechten, ĂŒber den Verbleib eines weiteren ist nichts bekannt, eine alteingesessene BĂŒrgerin kam zwei Tage vor Kriegsende durch verirrte Kugeln eigener Soldaten ums Leben.

Trotz der unmittelbaren NĂ€he zur Bundesstraße 8, auf der sich damals die Alliierten mit schwerem KriegsgerĂ€t ostwĂ€rts bewegten, war das Dorf nicht direkt in Kampfhandlungen verwickelt. Die Geschosse der Besatzer flogen von ihrem Standort Heuberg ohne Schaden anzurichten ĂŒber Ersfeld hinweg bis ins benachbarte Fiersbach. Die FichtenbestĂ€nde der Gemeinde waren von Granatsplittern derart beschĂ€digt, dass an eine wirtschaftliche Verwertung nicht mehr zu denken war. Ende MĂ€rz 1945 gelang es der 1. US-Armee nach Überschreiten des Rheins an der BrĂŒcke von Remagen und teils heftigen KĂ€mpfen in den Nachbarortschaften, besonders in Fiersbach, das gesamte Gebiet zu erobern. Damit war der Krieg auch fĂŒr die Ersfelder beendet.

Nachkriegszeit und Wirtschaftswunder

Nach Kriegsende wurde das Gebiet erst von der US-amerikanischen, ab dem 10. Juli 1945 von der französischen Besatzungsmacht verwaltet. Allgemein wurde deren große HĂ€rte beklagt, unter der die Bevölkerung zu leiden hatte. Sperrstunden und Ausgangsverbote waren an der Tagesordnung. Das meiste von dem ohnehin Wenigen, was zu damaliger Zeit durch die heimischen Bauern erwirtschaftet werden konnte, musste an die Besatzer abgeliefert werden. Es fehlte an Brennstoff, trotzdem war das Sammeln von Holz unter Strafandrohung strengstens verboten.cite-ref-43[43]

Das Protokollbuch fĂŒhrt fĂŒr das Jahr 1946 vier Gemeinderatssitzungen auf, die sich neben der Satzung des Bullenhaltungszweckverbandes, sowie der Umlage zur freiwilligen Amtsfeuerwehr und dem Beitrag der Gemeinden zur Instandsetzung und Unterhaltung der KriegergrĂ€ber auch mit der Wahl eines neuen Gemeinderates und mit Haushaltsfragen beschĂ€ftigten.cite-ref-pb-37-11[37]

In der Ratssitzung vom 17. April 1948 wurde beschlossen einen Antrag zu stellen, die von der MilitĂ€rregierung auf der Grundlage des Gesetzes Nr. 52 verhĂ€ngte Sperre ĂŒber das Gemeindevermögen aufheben zu lassencite-ref-pb-37-12[37], ein erster Schritt zur Wiedererlangung wirtschaftlicher HandlungsfĂ€higkeit. Mit der WĂ€hrungsreform im Juni 1948 besserte sich die Situation langsam. ArbeitsplĂ€tze entstanden, und Agrarprodukte wurden wieder bezahlbar, wovon auch die Ersfelder Bauern profitierten. Milch, Hafer, Kartoffeln, RĂŒben und andere GĂŒter wurden in der ganzen Region von Handelsvertretern fĂŒr die Genossenschaften eingekauft und sorgten mit dem erzielten Umsatz langsam wieder fĂŒr ein normales Leben. Der Gemeinderat beauftragte mit Beschluss vom 27. Oktober 1948 den AmtsbĂŒrgermeister und Ratsvorsitzenden, mit den Stromlieferanten RWE und E. W. Siegerland ĂŒber die VerĂ€ußerung des örtlichen Stromnetzes und die damit verbundenen kĂŒnftigen Tarife in Verhandlungen zu treten. Dies mĂŒndete Anfang 1949 im Verkauf des Ersfelder Ortsnetzes an die E. W. Siegerland und in der Aushandlung eines neuen Stromtarifs, womit die Weichen fĂŒr die zukĂŒnftige Energieversorgung der Gemeinde gestellt waren.cite-ref-pb-37-13[37]

In der Region wurden im Laufe der Zeit zunehmend kleine und mittlere Unternehmen mit neuen ArbeitsplĂ€tzen gegrĂŒndet. Der Bedarf an Dienstleistungen und Produkten stieg ebenso wie der an ArbeitskrĂ€ften und neuen Mitarbeitern. Dies fĂŒhrte dazu, dass in den 1950er und 1960er Jahren nicht wenige Landwirte eine TĂ€tigkeit in einem Gewerbe- oder Handwerksbetrieb aufnahmen und die eigenen Bauernhöfe zunehmend nur noch als Nebenerwerbsbetriebe gefĂŒhrt oder auch gĂ€nzlich stillgelegt wurden. Durch diesen Strukturwandel wurden von den ehemals 15 landwirtschaftlichen Betrieben mit Beginn der 1970er Jahre nur noch neun als Haupt- oder Nebenerwerbsbetrieb gefĂŒhrt. Die weitere Entwicklung in dieser Richtung wurde durch die rĂŒcklĂ€ufigen Einwohnerzahlen und die zunehmende Landflucht der 1980er und 1990er Jahre bestĂ€tigt.

Politik und Kommunales

Bevölkerungsentwicklung

Um 1830 hatte das Dorf Ersfeld 68 Einwohner, wie die Topographisch-Statistische Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinzen belegt.cite-ref-restorff-44-0[44]

Die chronologische Entwicklung der Einwohnerzahl (die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf VolkszÀhlungen):cite-ref-stat-rlp-45-0[45]

Datenquelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz und Festschrift 600 Jahre Ersfeldcite-ref-fs-14-2[14]

Mit Stand 31. Dezember 2021 sind 20,6 % der Einwohner unter 20 Jahren, 60,3 % zwischen 20 und 65 Jahren und 19,1 % 65 Jahre und Ă€lter. 55,9 % der Einwohner sind Frauen, 44,1 % MĂ€nner, wobei mit wenigen Ausnahmen seit 1962 immer ein FrauenĂŒberschuss zu verzeichnen war.cite-ref-46[46]

Wahlen

Mit 94,2 % (49 von 52 Wahlberechtigten) hatte Ersfeld im Jahre 2004 die relativ höchste Wahlbeteiligung bei einer Kommunalwahl in Rheinland-Pfalz. 2009 waren es 89,7 % (38 von 45 Wahlberechtigten).cite-ref-47[47] Bei Landtagswahlen gehört Ersfeld zum Wahlkreis 02-Altenkirchen, bei Bundestagswahlen zum Wahlkreis 198-Neuwied.

Bundestagswahlencite-ref-48[48]cite-ref-49[49]cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]

| Jahr | Wahlbeteiligung | SPD | CDU | FDP | GRÜNE | Linke | AfD | Freie WĂ€hler | Sonstige |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1965 | 89,8 | 43,9 | 31,7 | 14,6 | – | – | – | – | 9,8 |
| 1969 | 88,6 | 28,9 | 39,5 | 23,7 | – | – | – | – | 7,9 |
| 1972 | 93,9 | 40,0 | 37,8 | 22,2 | – | – | – | – | 0,0 |
| 1976 | 92,2 | 44,7 | 42,6 | 10,6 | – | – | – | – | 2,1 |
| 1980 | 78,4 | 35,0 | 37,5 | 25,0 | 2,5 | – | – | – | 0,0 |
| 1983 | 75,0 | 28,2 | 53,8 | 7,7 | 10,3 | – | – | – | 0,0 |
| 1987 | 70,8 | 14,7 | 58,8 | 14,7 | 11,8 | – | – | – | 0,0 |
| 1990 | 65,2 | 37,9 | 31,0 | 27,6 | 3,4 | – | – | – | 0,0 |
| 1994 | 94,1 | 43,8 | 31,3 | 18,8 | 3,1 | – | – | – | 3,1 |
| 1998 | 83,8 | 33,3 | 33,3 | 6,7 | 23,3 | – | – | – | 3,3 |
| 2002 | 93,5 | 48,8 | 20,9 | 14,0 | 16,3 | – | – | – | 0,0 |
| 2005 | 91,1 | 42,5 | 25,0 | 17,5 | 5,0 | 10,0 | – | – | 0,0 |
| 2009 | 82,1 | 22,7 | 27,3 | 11,4 | 20,5 | 15,9 | – | – | 2,3 |
| 2013 | 72,0 | 22,2 | 38,9 | 5,6 | 22,2 | 8,3 | – | – | 0,0 |
| 2017 | 78,4 | 25,0 | 12,5 | 17,5 | 22,5 | 5,0 | 15,0 | – | 2,5 |
| 2025 | 92,3 | 24,4 | 9,8 | 4,9 | 19,5 | 9,8 | 26,8 | 2,4 | 2,4 |

Alle Ergebnisse in %

Wegen der Covid-bedingten Zusammenlegung der Wahllokale von Rettersen und Ersfeld gibt es zur Bundestagswahl 2021 keine separaten Wahlergebnisse dieser Gemeinden.cite-ref-52[52]

Landtagswahlencite-ref-53[53]

| Jahr | Wahlbeteiligung | SPD | CDU | FDP | GRÜNE | Die Linke | ALFA | AfD | Freie WĂ€hler | Sonstige |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1967 | 83,3 | 30,0 | 27,5 | 35,0 | – | – | – | – | – | 7,5 |
| 1971 | 66,0 | 41,9 | 32,3 | 16,1 | – | – | – | – | – | 9,7 |
| 1975 | 89,8 | 45,5 | 36,4 | 13,6 | – | – | – | – | – | 4,5 |
| 1979 | 82,4 | 45,2 | 40,5 | 14,3 | – | – | – | – | – | 0,0 |
| 1983 | 75,0 | 31,6 | 63,2 | 5,3 | – | – | – | – | – | 0,0 |
| 1987 | 73,8 | 42,3 | 42,3 | 11,5 | 3,8 | – | – | – | – | 0,0 |
| 1991 | 72,3 | 46,9 | 40,6 | 6,3 | 6,3 | – | – | – | – | 0,0 |
| 1996 | 84,4 | 61,1 | 22,2 | 8,3 | 5,6 | – | – | – | – | 2,8 |
| 2001 | 64,7 | 46,9 | 28,1 | 12,5 | 9,4 | – | – | – | – | 3,1 |
| 2006 | 61,2 | 67,9 | 10,7 | 17,9 | 3,6 | – | – | – | – | 0,0 |
| 2011 | 70,8 | 32,6 | 32,6 | 2,3 | 32,6 | – | – | – | – | 0,0 |
| 2016 | 73,0 | 33,3 | 26,7 | 6,7 | 15,6 | 2,2 | 4,4 | 11,1 | – | 0,0 |
| 2021 [ 54 ] | 65,0 | 60,0 | 14,3 | 2,9 | 11,4 | 2,9 | 0,0 | 0,0 | 8,6 | 0,0 |

Alle Ergebnisse in %

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Ersfeld besteht aus sechs Ratsmitgliedern, seit 2001 regelmĂ€ĂŸig mindestens zur HĂ€lfte mit Frauen besetzt, der zuletzt bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewĂ€hlt wurde,cite-ref-55[55] und dem ehrenamtlichen OrtsbĂŒrgermeister als Vorsitzendem.

BĂŒrgermeister

Am 23. September 2024 wurde in Ersfeld ein neuer OrtsbĂŒrgermeister gewĂ€hlt.cite-ref-konst-2024-56-0[56] Mangels Bewerbungen bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 oblag die Neuwahl des BĂŒrgermeisters gemĂ€ĂŸ rheinland-pfĂ€lzischer Gemeindeordnung dem Rat,cite-ref-57[57] der sich auf seiner konstituierenden Sitzung fĂŒr Jan LichtenthĂ€ler entschied.cite-ref-konst-2024-56-1[56] Er ist Nachfolger von Christa Hentschel-VerfĂŒrth, die das Amt in der Wahlperiode 2019 bis 2024 ausĂŒbte.cite-ref-58[58]

Haushalt

Der Finanzhaushalt weist einen Finanzmittelfehlbetrag von 7,35 % fĂŒr das Jahr 2018 aus.cite-ref-stat-rlp-45-1[45] Die Ortseinnahmen stammen im Wesentlichen aus der Grundsteuer, der Gewerbesteuer der angesiedelten Betriebe sowie aus den Erlösen der Jagdpacht fĂŒr das Jagdrevier der Gemarkung, das von einer Jagdgenossenschaft der Ortschaften Ersfeld, Rettersen und Fiersbach verwaltet wird. FĂŒr das Haushaltsjahr 2018 betrĂ€gt der Grundsteuerhebesatz fĂŒr land- und forstwirtschaftliche Betriebe 320 %, fĂŒr GrundstĂŒcke 380 %. Der Gewerbesteuerhebesatz liegt bei 400 %. Die Hundesteuer belĂ€uft sich auf 36,00 bis 600,00 Euro jĂ€hrlich.cite-ref-59[59]

Wappen

Seit dem Jahr 2007 besitzt Ersfeld ein eigenes Ortswappen, zu welchem folgende Blasonierung (Wappenbeschreibung) gilt: Durch einen silbernen SchrĂ€gbalken, belegt mit einer blauen Wellenleiste, geteilt; oben in GrĂŒn eine silberne bewurzelte Eiche, unten in Rot ein linksgewendeter, doppelschwĂ€nziger, herschauender, blau bewehrter und blau gezungter goldener Löwe. Die blaue Wellenlinie symbolisiert den durch den Ort fließenden Peschbach, die Eiche gibt einen Hinweis auf den ortsprĂ€genden Baumbestand, und der Löwe ist das Symbol der Grafen von Sayn.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ersfelds BodenflĂ€che von insgesamt 1,4 Quadratkilometern und einem Umfang von 5,99 Kilometern teilt sich auf in 77,5 % landwirtschaftliche FlĂ€che, 9,9 % WaldflĂ€che, 10,2 % Siedlungs- und VerkehrsflĂ€che und 0,7 % WasserflĂ€che (Stand: 31. Dezember 2018).cite-ref-stat-rlp-45-2[45] Die nĂ€chsten Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Apotheken gibt es im drei Kilometer entfernten Weyerbusch. Die Bundesstraße 8, die ĂŒber die an Ersfeld vorbeifĂŒhrende Kreisstraße 24 in zwei Kilometer Entfernung erreichbar ist, ermöglicht eine schnelle Ost-West-Verbindung. Sie war frĂŒher als Cölnische Hohe Heer- und Geleitstraße nicht nur eine bedeutende Handelsroute zwischen Köln und Frankfurt am Main,cite-ref-60[60] sondern ein TeilstĂŒck war auch ein Pilgerweg zwischen Köln und Marburg, der im Jahr 2007 als Jakobsweg ausgewiesen wurde.cite-ref-61[61] Die Autobahnen A 3 und A 59 sind etwa zwanzig Kilometer entfernt.

Der Ort ist, abgesehen von einigen wenigen Gewerbetreibenden mit der IHK-Bezirkszugehörigkeit Koblenz, eine reine Wohngemeinde. Die steigenden Einwohnerzahlen der letzten Jahre sprechen fĂŒr eine gewisse AttraktivitĂ€t, jedoch macht die eher schlechte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel eine individuelle MobilitĂ€t erforderlich. So passieren montags bis freitags nur die Linien 291 und 523 des Verkehrsverbunds Rhein-Mosel (VRM) Ersfeld, jeweils zweimal zwischen Altenkirchen und Asbach bzw. Altenkirchen und Uckerath mit Anschluss nach Hennef fahrend und ergĂ€nzt um zwei Samstagsfahrten der Linie 291 nach Asbach. WĂ€hrend regulĂ€rer Schultage gibt es noch einige ErgĂ€nzungsfahrten. Nach Altenkirchen fĂ€hrt montags bis freitags nur die Linie 291 morgens zwischen 6:00 Uhr und 9:00 Uhr sowie am frĂŒhen Nachmittag.cite-ref-62[62]

Bis zum Anfang der 1970er Jahre gab es nur einen Straßennamen mit fortlaufenden Hausnummern im Ort, die Dorfstraße. Auch heute werden lediglich vier Straßennamen im Adressverzeichnis von Ersfeld genannt, Am Peschbach, Im Oberdorf, Unter den Eichen und Mehrbachstraße.cite-ref-63[63] Ein Neubaugebiet ist nicht ausgewiesen, da noch einige wenige in Privatbesitz befindliche BaulĂŒcken vorhanden sind. Seit dem Jahr 2009 ist das gesamte Ortsgebiet mit einem Tempolimit von 30 km/h verkehrsberuhigt. Im selben Jahr hat sich ein gemeinnĂŒtziger Verein im Dorf niedergelassen und betreibt einen Gnadenbrothof. Im Brand- und Katastrophenfall ist die Freiwillige Feuerwehr Mehren fĂŒr Ersfeld zustĂ€ndig, der auch einige Ersfelder BĂŒrger angehören.cite-ref-64[64] Als Gemeinde des „Zweckverbands Friedhof Mehren“ ist den Ersfeldern auch die Friedhofsnutzung gestattet.cite-ref-65[65]

Auch war hier bis Ende 1973 eine Poststelle zu finden. Nachdem diese geschlossen worden war, fiel auch der einzige öffentliche Fernsprecher im Dorf weg. Die ab diesem Zeitpunkt zustĂ€ndige Poststelle in Mehren ist ebenfalls lĂ€ngst außer Betrieb.

Die Fertigstellung des Breitbandausbaus zur Verbesserung des Internetzugangs erfolgte in Ersfeld im Zuge des FTTC-Breitbandprojektes im Mai 2019. Seitdem steht im gesamten Ort die schnelle VDSL-Technik zur VerfĂŒgung.cite-ref-66[66]

Wasser- und Energieversorgung

Nach kontroverser Diskussion in der Bevölkerung ĂŒber den Bau einer PflanzenklĂ€ranlage wurde Ersfeld zwischen 2000 und 2003 mit hundertprozentigem Trennsystem, einem örtlichen Kanalnetz von zwei Kilometer LĂ€nge und einem Anschlussgrad von hundert Prozentcite-ref-stat-rlp-45-3[45] an die Abwasserleitung der KlĂ€ranlage Mehrbachtal im Nachbarort Mehren angeschlossen. Ihr Trinkwasser bezieht die Gemeinde aus der oberbergischen Wiehltalsperre des Aggerverbandes. Der durchschnittliche Verbrauch lag im Jahre 2007 je versorgtem Einwohner bei 144 Liter pro Tag.cite-ref-stat-rlp-45-4[45]

Ersfelds Stromlieferant ist die E.ON, die den Netzbetreiber RWE im Jahr 2014 ablöste.cite-ref-67[67] Private Erzeuger produzieren im Ort mittels Solaranlagen rund 91 MWh/Jahr EEG-Strom, was etwa 21 % entspricht. Ersfeld liegt damit deutlich ĂŒber dem Durchschnitt der Verbandsgemeinde Altenkirchen mit lediglich 5 %.cite-ref-68[68] Mit einstimmigem Gemeinderatsbeschluss wurde festgelegt, dass als Energiesparmaßnahme ab dem Jahr 2010 die Straßenlaternen des Ortes in den Sommermonaten ausgeschaltet bleiben, zumal es bis etwa eine halbe Stunde vor der offiziellen Abschaltung in den spĂ€ten Abendstunden ohnehin noch hell bzw. dĂ€mmrig ist. Gleiches gilt fĂŒr die frĂŒhen Morgenstunden, in denen es zur Einschaltzeit in der Regel bereits ausreichend hell ist.cite-ref-69[69]

Landwirtschaft

FrĂŒher gab es fĂŒnfzehn landwirtschaftliche Betriebe, die alle ĂŒber einen eigenen Brunnen verfĂŒgten und damit in der Wasserversorgung autark waren. Sie betrieben Viehwirtschaft mit Rindern und Schweinen und bauten hauptsĂ€chlich Hafer, Roggen, Weizen, Kartoffeln und RĂŒben an. Neben dem Verkauf der Tiere brachte die Produktion von Butter bescheidene UmsĂ€tze. Die geerntete Frucht wurde als Futtermittel oder zur Selbstversorgung genutzt. Mit der GrĂŒndung von Molkereigenossenschaften stieg man von der Butter- auf die Milchproduktion um, die bis in die spĂ€ten 1980er Jahre fĂŒr die bis dahin noch tĂ€tigen Betriebe die Haupteinnahmequelle darstellte, bevor die letzten milchproduzierenden Höfe ihre Milchkontingente verkauften und den Betrieb einstellten.

Gab es 1971 noch neun Betriebe, die etwa 95 Hektar Land bewirtschafteten, so waren es 2003 nur noch drei Höfe mit 25 Hektar landwirtschaftlich genutzter FlĂ€che. Nach 2003 werden beim Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz fĂŒr Ersfeld keine landwirtschaftlichen Betriebe mehr gefĂŒhrt.cite-ref-stat-rlp-45-5[45] Die FlĂ€chen sind grĂ¶ĂŸtenteils stillgelegt oder werden als Weideland von einigen privaten Pferdehaltern genutzt. Eine Reihe von Feldern sind verpachtet und werden mit Mais fĂŒr eine Biogasanlage im Nachbarort bepflanzt.

Das zweite Zusammenlegungsverfahren mit den Gemeinden Ersfeld, Mehren, Fiersbach und Rettersen wurde im April 1999 eröffnet und neun Jahre spĂ€ter im Jahr 2008 beendet. Durch die Anpassung der FlurflĂ€chen an die heutigen LandmaschinengrĂ¶ĂŸen, den Wegfall einiger Feldwege und gravierende VerĂ€nderungen in der FlĂ€chenlandschaft wurden im Ausgleich sogenannte ÖkoflĂ€chen ausgewiesen und den Gemeinden als Eigentum ĂŒberstellt. Sie dienen dem Natur-, Pflanzen- und Tierschutz, und ihre Bewirtschaftung ist untersagt.cite-ref-fs-14-3[14]

Der Wald wird von einer EigentĂŒmergemeinschaft, der Waldinteressentenschaft, verwaltet. Das Holz wird entweder selbst genutzt oder verkauft.

Schulwesen

Ersfeld besaß niemals ein eigenes SchulgebĂ€ude, dafĂŒr war der Ort zu klein und die Anzahl der SchĂŒler zu gering. Man musste sich deshalb mit Alternativen behelfen, um den Ersfelder Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen.

Ersfelder Dingschule

Aus alten Aufzeichnungen geht hervorcite-ref-70[70], dass es in Ersfeld, wie in anderen Orten auch, in frĂŒheren Zeiten eine sogenannte Dingschule (dingen: jemanden beauftragen, anwerbencite-ref-71[71]) gegeben hat. Die dort beschĂ€ftigten LehrkrĂ€fte waren keine ausgebildeten Lehrer, sondern konnten lediglich etwas lesen, schreiben oder rechnen, und nicht selten wurde durch den Einsatz der PrĂŒgelstrafe vom Mangel an pĂ€dagogischen FĂ€higkeiten abgelenkt. Dingschullehrer wurden schlecht bezahlt und waren nur fĂŒr jeweils eine kurze Zeit beschĂ€ftigt. Sie wurden mit dem Wandeltisch versorgt, wobei sie von Haus zu Haus ziehen mussten und dort ihr Essen bekamen.cite-ref-72[72] Hin und wieder erhielten sie auch ein Wandelbett, eine wechselnde Schlafgelegenheit bei Einheimischen.cite-ref-73[73]cite-ref-74[74]

Ein SchulgebĂ€ude gab es nicht, so dass der Unterricht in angemieteten WohnrĂ€umen stattfand. Prinzipiell wurde eine Winterschule abgehalten, da die meisten Kinder des Ortes wĂ€hrend der anderen Jahreszeiten bei der Feldarbeit und Ernte helfen mussten.cite-ref-fs-14-4[14]cite-ref-75[75] Die SchĂŒler kamen trotzdem nur sehr unregelmĂ€ĂŸig zum Unterricht, worĂŒber in einer alten Schulakte fĂŒr das Jahr 1788 entsprechende Aufzeichnungen gemacht worden waren.cite-ref-76[76] FĂŒr die Kinder der Gemeinde Ersfeld gibt es nachstehende EintrĂ€ge:

„Sendschöff Eckenbach – 1 – ist kommen allzeit Johannes Gerhard Hoffmann – 2 – sind auch kommen nur etliche Wochen sind sie zu Haus blieben Johannes MĂŒller – 2 – sind ebenfalls kommen und auch etliche Wochen zu Haus blieben Wilhelm Schmidt – 2 – sind etliche Tage in der Woche kommen, bisweilen auch ganze Wochen zu Haus blieben“

Dies wurde wie folgt kommentiert:

„Auf Hoch. FĂŒrstlichen Gouvernements Befehl, berichte untertĂ€nigst, wie von denjenigen Eltern Kirchspiels Mehren, welche ihre Kinder nicht ordentlich in die Schule geschickt, was ein jeder vor eine Einwendung gemacht, wie folgt:“

FĂŒr die Ersfelder Kinder

„Johannes Gerhard Hoffmann hat vorgegeben er hĂ€tte 2 Kinder 1 Sohn hĂ€tte er vermieth, deswegen hĂ€tte er nicht mehr in die Schul gehen können, 1 Tochter wĂ€re 3 Wochen krank gewesen, darum hĂ€tte es die Schul versĂ€umt. Johannes MĂŒller hat vorgegeben, 1 Sohn hĂ€tte er vermieth gehabt, der andere Sohn wĂ€re 3 Wochen krank gewesen. Wilhelm Schmidt hat vorgegeben, er hĂ€tte eine Tochter, wĂ€re den ganzen Winter krank gewesen und der Sohn hĂ€tte die Plattern gehabt deswegen hĂ€tten sie nicht in die Schul gehen können.cite-ref-77[77]“

„Vermieth“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Sohn an andere Bauern oder Familien zur Arbeit „vermietet“ worden war.

Schulverband Mehren

Ersfeld gehörte dem Schulverband Mehren bis zu dessen Auflösung 1971 an. Die Kinder waren in der Kirchspielschule von Mehren, die sie seit dem frĂŒhen 19. Jahrhundert besuchten, offenbar gut aufgehoben und wurden auch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gut beurteilt, wie eine ÜberprĂŒfung durch den Superintendent Marius MĂŒller im Jahr 1844 belegte. Im Gegensatz zur Dingschule wurde der Unterricht von einem ausgebildeten und fest angestellten Lehrer abgehalten. Auch die Klassenzimmer waren fĂŒr die SchĂŒler gerĂ€umig genug.cite-ref-fs-14-5[14] Der kurze Schulweg fĂŒhrte ĂŒber einen geraden Feldweg, den sogenannten Kirchsweg, direkt ins ein Kilometer entfernte Mehren.

Dem Protokollbuch des Gemeinderats ist zu entnehmen, dass die an den Schulverband Mehren zu entrichtenden Schulmittel im Durchschnitt etwa 60 % der Steuerlasten Ersfelds ausmachten und oft nur mit großen Anstrengungen geleistet werden konnten. Der Landrat verfĂŒgte im Oktober 1953 die Bereitstellung eines Beitrages zur Unterhaltung der Katholischen Schule Weyerbusch, den auch die Ersfelder leisten sollten. Mit Gemeinderatsbeschluss vom 10. November 1953 lehnten diese jedoch eine Zuwendung mit der BegrĂŒndung ab, das einzige in der Gemeinde befindliche katholische Schulkind besuche die Schule in Mehren und werde im kommenden FrĂŒhjahr aus der Schule entlassen. Auch sei in absehbarer Zeit nicht mit weiteren katholischen SchĂŒlern zu rechnen.cite-ref-pb-37-14[37]

Heutiges Schulsystem

Seit der Auflösung des Schulverbands Mehren im Jahre 1971 besuchen die Kinder die BĂŒrgermeister-Raiffeisen-Grundschule in Weyerbusch und die staatliche kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe (Westerwald-Gymnasium) in der Kreisstadt Altenkirchen.cite-ref-dm-78-0[78]cite-ref-79[79] Trotz eines etwas lĂ€ngeren Anfahrtsweges besuchen auch immer mehr SchĂŒler die Integrierte Gesamtschule (IGS) im sechzehn Kilometer entfernten Horhausencite-ref-80[80], die ebenfalls ĂŒber eine gymnasiale Oberstufe mit dem Abschluss der allgemeinen Hochschulreife verfĂŒgt. Eine weitere Möglichkeit des weiterfĂŒhrenden Schulbesuchs bietet sich mit dem Bodelschwingh-Gymnasium in Herchen an, das etwa fĂŒnfzehn Kilometer entfernt ist und bereits in Nordrhein-Westfalen liegt. Ein privater Fahrdienst bringt die Schulkinder von Ersfeld nach Weyerbusch beziehungsweise zu den nĂ€chstgelegenen Schulbushaltestellen.

Kirche und Religion

Die meisten Ersfelder BĂŒrger sind evangelisch.cite-ref-81[81] Die wenigen Katholiken sind zugezogen, zudem gibt es einige Konfessionslose. Ersfeld und die Pfarrei Mehren gehören zum Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchencite-ref-82[82] und zur Evangelischen Kirche im Rheinland, wĂ€hrend die katholischen Christen der Pfarrei St. Josef in Weyerbusch und dem Seelsorgebereich Westerwald im Kreisdekanat des Erzbistums Köln angehören.cite-ref-stat-rlp-45-6[45]cite-ref-83[83]

Ortsbild und SehenswĂŒrdigkeiten, Kulturelles

Ersfeld besitzt einige gut erhaltene alte FachwerkgebĂ€ude. Eines von ihnen, ein teilweise massiv gebautes Wohnstallhaus aus dem Jahr 1758, ist denkmalgeschĂŒtzt.cite-ref-84[84] Unter ihm verlĂ€uft ein etwa 120 Meter langer Stollen, der bis zum nördlichen Ortsrand reicht und dort einen verschlossenen Zugang besitzt. Über seine Entstehung und einstige Verwendung war lange Zeit nichts NĂ€heres bekannt, und es wurde gemutmaßt, dass er im Ersten und Zweiten Weltkrieg den Einwohnern als Schutz- und Zufluchtsraum diente.cite-ref-85[85] Andere Informationen besagen, dass der Stollen, der in der NĂ€he des ehemaligen Materialplatzes (Leimpöhl) des Ortes mĂŒndet, fĂŒr die Lagerung von Lehm zum Bauen und fĂŒr Reparaturarbeiten verwendet worden sei. Als Schutzraum diente er zudem bei heftigen Gewittern, auch wenn die Menschen hin und wieder einen Einsturz fĂŒrchteten.cite-ref-86[86] Prinzipiell ist jedoch ĂŒber seine Vergangenheit, insbesondere seine Entstehung, wenig bekannt, sodass hierĂŒber nach wie vor kontroverse Ansichten herrschen.

Durch die Gemarkung verlĂ€uft der im Jahre 2008 eröffnete Westerwald-Steig, ein 235 Kilometer langer Premiumwanderweg, der von Herborn nach Bad Hönningen fĂŒhrt.cite-ref-87[87] Ein lokaler MĂŒhlenwanderweg (W4 Nord und W4 SĂŒd) bietet auf einer LĂ€nge von etwa 20 Kilometern Barrierefreiheit fĂŒr Radfahrer und Wanderer.cite-ref-88[88] Ebenso liegt Ersfeld direkt am 225 Kilometer langen Radweg Westerwaldschleifecite-ref-89[89], einem Gemeinschaftsprojekt der Landkreise Altenkirchen, Westerwald und Neuwied.cite-ref-90[90]cite-ref-91[91] Die Historische Raiffeisenstraße verlĂ€uft in unmittelbarer NĂ€he östlich von Ersfeld. Der Naturpark Rhein-Westerwald beginnt mit seiner nördlichen Grenze in etwa fĂŒnf Kilometer Entfernung.cite-ref-92[92]

In der Gemarkung um Ersfeld gibt es eine Population von Rotmilanen und Graureihern. Auch werden immer wieder Schwarzstörche beobachtet.cite-ref-dm-78-1[78]

Nach eigener Aussage nahm das Jugendblasorchester Mehrbachtal 1967 seine AnfĂ€nge in der Nachbargemeinde Forstmehren.cite-ref-93[93] Der erste Probenraum fĂŒr die bis dahin noch namenlose Musikgruppe, der auch drei MĂ€dchen angehörten, war jedoch das Wohnzimmer des Ersfelder Ehepaares Altgeld. Nachdem die Mitgliederzahl des Orchesters schnell wuchs, zog man mitsamt dem Proberaum in den Gasthof Fuchs nach Forstmehren um, wo man sich den Namen Jugendblasorchester Mehrbachtal gab. Unter BerĂŒcksichtigung dieser Entwicklung gilt Forstmehren zwar als Ort, in dem sich das Orchester konstituierte, Ersfeld jedoch als dessen „Wiege“.cite-ref-fs-14-6[14]

Siehe auch

:

Liste der KulturdenkmÀler in Ersfeld

Peschbach – Retterserbach – Scherenbach

Aus Rettersen kommend, fließt bis zur nördlichen Ortsgrenze von Ersfeld der Retterserbach (im Oberlauf auch: Scherenbach).cite-ref-de-nw-gsk3e-94-0[94]cite-ref-de-rp-ww-95-0[95] Als Peschbach durchquert er die Ortschaft, gesĂ€umt von einigen hohen Pappeln, erst Richtung SĂŒden, dann nach Osten hin, und mĂŒndet an der Kreisstraße 24 in den Mehrbach. Bis in die 1960er Jahre gab es dort noch viele Bachkrebse, fĂŒr die Ersfelder eine kulinarische Abwechslung zu besonderen AnlĂ€ssen. Nachdem in den folgenden Jahrzehnten, vermutlich auch durch die Einleitung von DĂŒngemitteln aus den umliegenden Feldern, die Bachkrebse fast vollkommen aus dem GewĂ€sser verschwunden waren, erholt sich in den letzten Jahren der Bestand wieder etwas.

Warum der Bach mit seinen 3,3 Kilometern LĂ€nge in unterschiedlichen Abschnitten drei verschiedene Namen trĂ€gt, ist nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass die Bezeichnung Peschbach im Zusammenhang mit den FlurstĂŒcken steht, die der Bach bei Ersfeld durchfließt. Sie tragen Namen wie Hinter dem Peschgarten, Oben in der Peschwiese und Unten in der Peschwiese, bereits erwĂ€hnt in den ersten Katasteraufnahmen von 1830.cite-ref-96[96] Das Wort Pesch kommt sprachgeografisch als Bezeichnung fĂŒr FlurstĂŒcke im Rheinland recht hĂ€ufig vor. Es leitet sich von dem Wort lateinisch pascuum ‚Weide‘ ab.cite-ref-97[97]cite-ref-98[98]cite-ref-99[99]

Im RĂ€toromanischen bedeutet Pesch jedoch „Fisch“ und ließe somit den Schluss zu, dass Peschbach ein Bach ist, in dem sich Fische befinden.cite-ref-100[100]cite-ref-101[101]cite-ref-102[102] GestĂŒtzt wird diese Hypothese durch die Begriffe italienisch pesce ‚Fisch‘ bzw. französisch pecheur ‚Fischer‘. Allerdings ist, abgesehen von Zeiten französischer Herrschaft auf dem heutigen Territorium von Rheinland-Pfalz,cite-ref-103[103] ein namensprĂ€gender Einfluss von Personen in Ersfeld, die diese Sprachen gesprochen haben, nicht belegt.

Am Peschbach liegt linksseitig, etwa in der Mitte des Ortes, ein kleiner befestigter Dorfplatz, der fĂŒr GemeindefestivitĂ€ten jedweder Art genutzt wird und auch Wanderern zur Rast dient. Hier pflanzte im Herbst 2011 Landrat Michael Lieber anlĂ€sslich des 600-jĂ€hrigen Bestehens der Gemeinde einen Kirschbaum, der prompt im Dorf den Namen Lieberkirsche erhielt. 2015 errichtete man dort ein kleines Holzhaus, das WeierhĂ€uschen, das fĂŒr Versammlungen, Feiern und andere AnlĂ€sse gedacht ist.cite-ref-104[104] Das Areal wurde zudem im Juli 2022 um einen 4 × 15 Meter großen Bouleplatz ergĂ€nzt.

Rechtsseitig, insbesondere bachabwĂ€rts, sowie im östlichen Bereich stehen Reihen von großen, teils ĂŒber hundert Jahre alten Eichen und Buchen, die das Ortsbild wesentlich prĂ€gen.

Literatur

‱ Dieter Sommerfeld, Reinhilde LichtenthĂ€ler, Claudio VerfĂŒrth: 600 Jahre Ersfeld – aus Vergangenheit und Gegenwart. 2011; DNB 1171267657.

Weblinks

Commons

: Ersfeld

– Sammlung von Bildern

‱ Ortsgemeinde Ersfeld. Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld.
‱ TV-Beitrag ĂŒber die Ersfelder Straße „Im Oberdorf“ aus der Reihe Hierzuland. SWR RP.
‱ Literatur ĂŒber Ersfeld in der Rheinland-PfĂ€lzischen Landesbibliographie

Einzelnachweise

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cite-note-55. ↑ Dieter Sommerfeld: Festschrift 600 Jahre Ersfeld – Aus Vergangenheit und Gegenwart. Mai 2011, S. 5 ff.
cite-note-66. ↑ Heinrich Dittmaier: Rheinische Flurnamen, 1963 S. 17.
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cite-note-1010. ↑ Altenkirchener HochflĂ€che beim Landschaftsinformationssystem Rheinland-Pfalz.
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